Mundatmung bei Kindern · Erst die Ursache, dann die Therapie
Ein Kind sollte in Ruhe überwiegend durch die Nase atmen. Bleibt der Mund häufig offen oder findet die Atmung regelmäßig über den Mund statt, lohnt sich die Frage nach dem Warum – nicht die sofortige Sorge.
Dahinter kann vieles stecken: anatomische Ursachen ebenso wie erlernte Gewohnheiten. Deshalb schauen wir zuerst genau hin, bevor wir etwas behandeln.
Mögliche anatomische Ursachen sind zum Beispiel vergrößerte Polypen, Mandeln oder geschwollene Nasenschleimhäute – es können aber auch erlernte oder andauernde funktionelle Muster sein. Deshalb schauen wir uns nicht nur den offenen Mund an, sondern Atmung, Mundschluss, Zungenruhelage, Schlucken und Kieferentwicklung im Zusammenhang.
Es gibt viele Merkmale, die im Zusammenhang mit Mundatmung genannt werden – von trockenen Lippen bis zur Gesichtsform. Die meisten davon sind zu unspezifisch, um allein eine Aussage zu treffen. Drei Beobachtungen sind es, die aus unserer Sicht eine genauere Abklärung rechtfertigen:
Ihr Kind schläft regelmäßig, nicht nur gelegentlich bei Erkältung, mit offenem Mund. Dazu kommen häufig Schnarchen, unruhiger Schlaf oder beobachtete Atempausen in der Nacht.
Gibt es Anzeichen, dass sich das Wachstum des Gesichtsschädels durch die Mundatmung verändert hat – etwa ein schmaler Kiefer, ein zurückweichendes Kinn oder ein verlängertes Gesicht?
Der Mund steht auch in Ruhe tagsüber häufig offen, die Nasenatmung wirkt spürbar eingeschränkt.
Wie wir Mundatmung einordnen
Wir schauen uns den Zusammenhang zwischen Mundatmung und Kieferentwicklung, Haltung oder Schlaf im Einzelfall an, statt ihn pauschal zu behaupten. Diese Zusammenhänge sind in der Forschung komplex und wirken oft in beide Richtungen.
Bei Hinweisen auf eine schlafbezogene Atmungsstörung klären wir zuerst die Atemwege ab. Myofunktionelle Therapie setzen wir dort ergänzend ein, wo sie sinnvoll ist – als Baustein, nicht als Ersatz für die Behandlung einer relevanten Verengung.
Erst klären, warum ein Kind durch den Mund atmet. Dann entscheiden, was zu tun ist.
Wenn aus der Beobachtung ein funktionelles Training wird.
Manchmal hängt eine eingeschränkte Zungenfunktion mit beidem zusammen.
Atmung und Kieferentwicklung hängen häufig zusammen.
Ein offener Mundschluss ist oft der erste Anlass, genauer hinzuschauen.
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